Die erste Woche

Hallo meine geneigten Leser und schiefe Leserinnen,
es folgt also der Bericht der ersten Woche.

Montag

Wir überspringen das Ausschlafen – Gyntha hat mich aufgesammelt und mich etwas in meinem neuen Zuhause herum geführt. Mir wurde auch die große Werkstadt bzw. der Beschäftigungsraum gezeigt. Der liegt nämlich in einem anderen Gebäude, welches aber nur ein paar Schritte entfernt ist. Es gibt mindestens 2 Nähmaschinen, mehrere Stoffreste, Bänder, Garn usw. Außerdem Spieltische (Tischtennis, Billard) und Instrumente – eine Gitarre, ein Klavier. Auch etwas das nach einem Banjo aussieht, aber wohl keines ist. Im großen Nebenraum (gleicht mehr einer Halle) stehen dutzende von Maschinen, mit denen man sägen, bohren und basteln kann. Kreativ werde ich mich also austoben können!

Gegen 10:30 bin ich im Husmandsstedet aufgeschlagen und wurde dort allen vorgestellt. Im Anschluss folgte eine Hausführung. Danach war mir klar: Ich liebe dieses Haus. Es bietet wirklich viele Möglichkeiten für Kinder und auch Erwachsene.

Mein kleines Reich wird wahrscheinlich die Kreativ-Werkstatt sein. In dieser gibt es unendlich viele Perlen, Knöpfe, Stoffreste, Bänder, Farben, Holz usw. Ich werde aber auch in der Küche helfen und das Essen für all die hungrigen Kinder vorbereiten. Meistens wird es sowas wie Pizza, Kuchen, Kekse, Suppe, Pasta und ähnliches geben.
Heute war ich aber erstmal mit Josi in der Kreativ-Werkstatt. Josi ist auch eine Freiwillige, die leider nur noch diesen Monat da sein wird. Sie kommt aus Berlin und kann mir wirklich helfen, wenn es mal Verständigungsprobleme mit den Kindern gibt. Außerdem gehts bei ihr schneller mit Dingen erklären,
Mit den Kindern bin ich erstaunlich gut zurecht gekommen – nachdem Mona ein paar Kindern erzählt hat, dass ich Japanisch schreiben kann. Auf einmal hatte ich eine Traube um mich herum, die alle ihren Namen auf ein Stück Papier geschrieben haben wollten. Pflichtschuldigst habe ich diesen Dienst abgeleistet. Es folgten ein paar Malaufträge seitens ein paar anderer Kinder und dann wurde mir Dänisch beigebracht. Die Kinder wurden ob meines Kommens schon vorgewarnt. Ihnen wurde erklärt, dass ich Dänisch verstehe aber noch nicht sprechen kann. Der Dänischunterricht gestaltete sich folgender Maßen: Die Kinder haben mir Wörter diktiert (Tierwelt, Farben, u. a.) und ich musste es aufschreiben und nachsprechen. Wenn ich ein bestimmtes Wort wissen wollte, habe ich es versucht als Bild darzustellen oder bei abstrakten Sachen Josi gefragt.
Das alles hat sehr gut funktioniert.

Gegen fünf Uhr war dann auch gut und es ging heimwärts. Vor der Tür saßen Gyntha und Rasmus mit Essensvorbereitungen beschäftigt. Wir haben kurz geschnakt und mir wurde wieder ein Stück mehr vom Haus gezeigt.

Dienstag
Mein Arbeitstag beginnt immer so gegen 11 Uhr. Also gings um diese Zeit dann zu meiner Arbeitsstelle (ich brauche ja nur 5 Minuten). Als erstes durfte ich ein paar Broschüren falten (so um die 200 Stück) aber das ging flott. Danach habe ich etwas in der Küche mitgeholfen – Nudeln überwacht und Suppe umgerührt. Schön war es heute als ich mit den Kindern  „finger looping“ gemacht habe. Eine Technik bei der man Schlaufen ineinander verschlingt um so hübsche Bänder entstehen zu lassen.
Da haben wir gut beisammen gesessen und mir wurde wieder neues Dänisch beigebracht.  Und ich konnte mich sogar ein bisschen über meine Familie unterhalten. (Sowas wie: Ich habe eine große Schwester und einen kleinen Bruder.)

Josi hat mich eingeladen am Abend mir ihr zu den Brecht-Festspielen in Svendborg zu gehen. Dort hat Brecht mit seiner Frau und 2 Kindern von 1933 bis 1939 im Exil gelebt. Es gibt wohl sehr viele Programmpunkte, aber wir haben uns die Eröffnungsfeier angesehen. Nach ein paar scheinbar endlosen Reden, begann dann endlich der Gesang. Die Sängerin hat Lieder mit Brechts Texten vorgetragen. Meistens auf Dänisch, manchmal auch auf Deutsch. Sie hat die Lieder sehr, sehr gut interpretiert. Es war ein wunderschöner Abend. Gegen 10 Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Mittwoch

Ich habe endlich den Brief von meiner Sendeorganisation bekommen. Nun muss ich mich mit Mona zusammensetzten und überlegen wie’s am besten weitergeht. Der Plan ist, dass ich Donnerstag nach Odense fahre, dort Anna (italienische Mitvoluntärin) treffe und wir zusammen zur Staatsverwaltung gehen und unseren Auftenhalt anmelden. Erst wenn das durch ist, bekommen wir unsere CPR-Nummer (sowas wie ne Steuer/Versicherungs/Personen-Nummer) mit der wir alles machen können – also zum Arzt gehen, in der Bibliothek anmelden, beim Sprachkurs anmelden usw. Hoffentlich geht da alles glatt.

Ansonsten war der Mittwoch entspannt. Die Mädels haben wieder fingerloopen geübt (ist sozusagen im Moment der letzte Schrei) und ich musste die Fäden vorbereiten und helfen wenn Not am Kind war. Der Tag war aber auch irgendwann vorbei.

Donnerstag

Früh nach Odense um Anna zu treffen und zur Staatsverwaltung zu gehen. Briefe abgegeben (in ungefähr drei – vier Wochen bekomme ich Post) und dann kann ich endlich den ganzen Rest, wie die Sprachschule und so beantragen. Von Odense gings dann gleich zurück nach Husmandsstedet, wo die Kinder wieder bespaßt wurden. Bespaßung Ahoi! Abends war ich noch in der Werkstadt um neue Fingerloop-Techniken für die Kinder auszuprobieren. Ich glaube, ich habe auch was gutes gefunden 😉

Freitag

Mit Josephine verabredet und ihr bei einer kreativen Arbeit geholfen. Außerdem habe ich die Nähmaschine von Gyntha zum schmoren gebracht. Ich habe keine Ahnung was passiert ist, aber sie hat von alleine los genäht und dann stieg Rauch auf. Das war ein wenig gruselig.

Des weiteren war heute „Faellespisning“ in Aarslev. Das findet einmal im Monat statt, eine Familie/Gruppe kocht und dann kommen andere Dorfbewohner dazu und alle essen zusammen. Als Kochgruppe weis man aber nie genau wieviele kommen.

Heute gabs Rindfleisch in Biersoße gekocht, mit Kartofflen, Möhren und Salat. Und zum Nachtisch Frucht mit Sahne. Es war alles sehr sehr gut und hat 50 Kronen gekostet – also rund 6 Euro. Ich finde, dass ist eine sehr tolle Idee für die Gemeinschaft. Wobei ich es mir schwierig vorstelle, für eine unbekannte Anzahl von Menschen zu kochen. Hm…

Das war meine Woche bis jetzt. Morgen gehts nach Odense, Sonntag wurde ich zum Filmabend eingeladen. Wir werden „Das Leben der Anderen“ sehen. Auf Deutsch mit Dänischen Untertiteln – also sollte ich auch was verstehen. Montag gehts dann wieder den Alltag von Husmandstedet.

Das wars erstmal von mir.

Liebe Grüße aus einem größtenteils sonnigen Dänemark,

Rumi

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