Schlürft nicht, schmeckt nicht

Treue Leserin, treuer Leser,

es ist wieder einmal an der Zeit für neuen Beitrag. Bevor ihr euch aber in die Zeilen stürzt, möchte ich gerne darauf hinweisen, dass ich gerne auch Wunschthemen/Fragen in meinen Beiträgen bearbeiten werde (sofern es mir möglich ist). Also immer raus im euren Frägelchen 🙂

Heute widme ich mich einem Thema bei dem mein verehrter Herr Vater wohl das Graußen bekommen wird.

In diesem Beitrag soll es um das Schmatzen, Schlürfen und Schniefen gehen.

Ersteres, das Schmatzen, gehört auch in Japan nicht wirklich zum guten Ton. Dennoch kenne ich vorwiegend ältere Leute die mit begeisterter Lautstärke ihr Essen verzehren. Ich sage mir in Gedanken dann immer „Oooooommmmmm“ und belasse es dabei.

Das Schlürfen spielt da schon eine wichtigere Rolle und wird vor allem beim Essen von Nudelgerichten sowie beim Trinken von Tee mit Inbrunst betrieben. „Warum?“ wird sich da der eine oder andere gut erzogene Europäer nun fragen.

Dafür gibt es zwei einfache Antworten (am Beispiel der Nudelsuppe):

  1. Schlürfst du nicht, so schmeckt’s dir nicht!

Eine Nudelsuppe zu schlürfen, ist ein sicheres Zeichen für deren gute Qualität und Geschmack. Dem Koch wird signalisiert (Schlürfen von echten Profis hört man ja meilenweit entfernt) das sein Essen gut ist und er freut sich. Hereinkommende Gäste nehmen übrigens auch sofort den guten Geschmack mit ihren Ohren war.

  1. „…aber die gute Brühe!“

Zutscht man Nudeln mit so gut wie geschlossenen Lippen entsteht fast kein Geräusch. Aber (so wurde mir von einer Japanerin erklärt) ginge damit ja die gute Brühe verloren. Beim professionellen Schlürfen, berühren die Lippen die Nudeln immer nur kurz – am besten gar nicht. Damit geht man sicher, das man die Brühe an den Nudeln nicht „abschiebt“ sondern mit den Nudeln hinein schlürft. Toller Nebeneffekt: Man kühlt die Nudeln gleich noch ein wenig mit ab und verbrennt sich nicht die Zunge. Wobei kalte Nudeln auch geschlürft werden…

Meist sehr schnell auf das Schlürfen folgend, kommt das Schniefen. Heiße Nudelsuppen bringen die Nase gerne zum Marathon laufen…aber was soll man tun? „Ein Taschentuch nehmen“ kommt mir da die väterliche Antwort ins Ohr. Richtig – in Deutschland. In Japan gilt das aber als sehr unappetitlich – besonders beim Essen sollten Taschentücher vermieden werden. Was bleibt also? „Nase hoch ziehen“ antwortet mir der imaginäre Japaner auf meiner Schulter. Daher wird man besonders bei warmen Essen nicht um diese Geräuschkulisse herum kommen.

Damit also an alle die Probleme mit Schlürfen und Schniefen haben: Meidet japanische Nudelsuppenlokale oder bereitet euch mental darauf vor. Noch besser ist allerdings mitmachen – das macht auch mehr Spaß als man denkt.

Frohes Schlürfen,

Rumi

P.s.: Im Falle einer dringenden Notwendigkeit zum Nase putzen, gibt es zwei Auswege: 1) Ich nutze den Ausländerbonus und putze mir einfach die Nase! 2) Ich husche mal eben auf die Toilette und putze mir die Nase dort – dann sind alle glücklich!

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Ein Kommentar zu “Schlürft nicht, schmeckt nicht

  1. Sebulon sagt:

    Ich hätte gern einen Beitrag über
    – das letzte Jahr
    – was du am meisten vermisst
    – wie du zur japanischen Politik stehst und
    – was dir gerade die meiste Freude macht.

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